Die Schlagzeile in verschiedenen Medien muss jedes VelofahrerInnenherz erfreuen: «Geheizte Velowege gegen kalte Winter in den Niederlanden», lautete der Titel. Wow, das ist mal was: Niederländische Ingenieure haben ein Bodenheizungssystem für Velowege entwickelt. Kernstück ist ein Röhrensystem unter dem Asphalt; das Wasser in diesen Röhren wird im Sommer durch die Sonne erwärmt, in einem Reservoir gespeichert und in der kalten Jahreszeit wieder hochgepumpt. Dadurch erwärmt sich der Asphalt, das Eis schmilzt, und die VelofahrerInnen können frisch drauflosfahren, ohne sich vor einer Rutschpartie mit schmerzhaften Folgen fürchten zu müssen. Das System sei zum Heizen und Kühlen von Gebäuden bereits bewährt, im Freien jedoch eine Novität, heisst es weiter. Es habe den Vorteil, dass es nur wenig Energie brauche. Konkret: nur den Strom für die Pumpen. Aber es kostet: Ein Kilometer verschlingt je nach Belag zwischen 20'000 und 40'000 Euro.
Immerhin entfielen aber die Streukosten. Und die Staus blieben aus, die es bis anhin gibt, weil offenbar viele NiederländerInnen bei Schnee und Eis aufs Auto umsteigen. Denn auch in den Niederlanden werden stets zuerst die Strassen geräumt, während die Gemeindearbeiter die vereisten Radwege links liegen lassen. Wer nicht aufs Auto umsteigen will oder kann, radelt deshalb gezwungenermassen auf der Strasse weiter – und vergrössert dort das Chaos.
«Nur müssten dafür wohl erst so viele VelofahrerInnen auf Ganzjahresbetrieb umstellen, bis deren Anteil am Gesamtverkehr höher wäre als zurzeit in den Niederlanden. Denn, wie man so schön sagt: Die Masse machts.»
Spätestens hier kam ich bei der Lektüre ins Grübeln: Ausser, dass hierzulande eher vom Velo auf den öV umgestiegen wird, tönt das akkurat so, als würde der Artikel die schweizerischen Verhältnisse beschreiben. Offenbar kommt auch in den Niederlanden das Auto stets an erster Stelle, obwohl dort viel mehr Menschen täglich mit dem Velo unterwegs sind. Gut, die Unfallgefahr ist bei Glatteis natürlich auch für Autos gross, und die Folgekosten sind wohl potenziell höher, als wenn VelofahrerInnen auf Radwegen stürzen – immerhin besteht bei schlitternden Autos stets die Gefahr, dass Unbeteiligte verletzt werden. Was mich aber trotz allem erstaunt: Es wäre ja auch möglich, ein paar zusätzliche Gemeindearbeiter einzustellen, die sich nur um die Velowege kümmern. Aber auf diese Idee kommt man anscheinend nicht …
Wobei: Letzteres wäre auch bei uns grundsätzlich möglich. Nur müssten dafür wohl erst so viele VelofahrerInnen auf Ganzjahresbetrieb umstellen, bis deren Anteil am Gesamtverkehr höher wäre als zurzeit in den Niederlanden. Denn, wie man so schön sagt: Die Masse machts. Und wenn die Masse profitiert, müsste dafür ja auch Geld vorhanden sein. Ein Autobahnkilometer in der Schweiz kostet rund 100 bis 300 Millionen Franken, und der Schnee wird dort auch stets zuerst geräumt. Je rascher die Zahl der winterfesten AlltagsvelofahrerInnen steigt, desto eher können wir uns ein paar Gemeindearbeiter leisten – oder gar beheizte Velowege. In diesem Sinne: Gute Fahrt durch den Winter!







