Auf der Suche nach neuen Revieren

Für die Dokumentation «Where The Trail Ends» machten sich einige der besten Mountainbiker auf die Suche nach den weltweit besten Freeridegebieten.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 17.07.2013

Virgin im US-Gliedstaat Utah gilt bei Anhängern der Big-Mountain-Freeride-Szene als eines der besten Reviere. Auch der Extrem-Mountainbiker Darren Berrecloth sieht es so. Er gehört zu den weltbesten Freeridern und ist der eigentliche Hauptakteur des Dokumentarfilms «Where The Trail Ends», wo er erzählt: «Unzählige Male bin ich hier in Virgin gefahren. Wir kennen die Drops, den Boden und die Krankenhäuser allzu gut.» Utah sei ein toller Ort, um sich zu verbessern und der Welt Dinge zu zeigen, die noch nie mit einem Mountainbike gemacht wurden. «Aber gleichzeitig zahlt man einen Preis dafür – manchmal gewinnst du, manchmal gewinnt Utah.»

Diese Gegend bringt die Freerider dazu, mehr zu wagen als üblich. Sie gehen über ihre Grenzen. Schwere Stürze sind die Folge. Berrecloth stellt sich dennoch die Frage: So einzigartig Utah auch ist: Kann es so ein Terrain nicht auch anderswo geben? Kommt ein anderes Gebiet an Utah heran, gibt es sogar bessere Orte? Er und seine Kollegen Cameron Zink, Kurt Sorge, Andreu Laconeguy, James Doerfling, Paul Bourdon, Tyler McCaul und weitere machen sich deshalb auf die Suche nach anderen unberührten Bike­revieren.

Ungewöhnliche Schauplätze

Und sie werden fündig. Neben Utah führt ihre Reise zur Wüste Gobi in China, zur versteckten Mustang-Region in Nepal und nach British Columbia in Kanada. An einem weiteren ihrer Schauplätze, der argentinischen Salta-Region, wird es aber wohl keine Mountainbike-Fahrten mehr geben, denn diese Gegend ist vor Kurzem zu einem Nationalpark erklärt worden. Die Akteure von «Where The Trail Ends» waren damit die ers­ten und letzten Biker, die ihre Reifenspuren dort hinterlassen haben.

Zwar kamen ab und zu Schaufel und Spitzhacke zum Einsatz, um etwa die Fahrspur auszubessern, doch Holzkonstruktionen, wie sie bei Bikeparks zur Anwendung kommen, sieht man im Film nicht. Vielmehr geht es darum, auf naturgegebenem Untergrund die ideale Line zu finden und das Terrain mit viel Flow zu befahren. Für ihre Zwecke gelten ganz spezielle Anforderungen. Der Boden muss für den vom Snowboarden entlehnten Fahrstil passen, den die Akteure selbst als «Big-Mountain-Stil» bezeichnen. Es ist kein Zufall, dass «Where The Trail Ends» Ähnlichkeiten mit Snowboardfilmen aufweist. Inspiriert soll der Streifen denn auch vom Titel «The Art of Flight» sein. Hinter beiden Filmen steckt die gleiche Produktionsfirma.

Entstanden sind faszinierende Actionaufnahmen in atemberaubender Naturkulisse. Dazu beigetragen haben auch die Kameraleute und die Crew. Sie setzten viel technisches Gerät ein, um die Fahrer ins Licht zu setzen. So lieferte die eingesetzte Hochgeschwindigkeitskamera mehr als tausend Bilder pro Sekunde, was eindrückliche Zeitlupenaufnahmen erlaubte. Luftaufnahmen lieferte ein mit Kameras bestückter, ferngesteuerter Minihubschrauber, und die Fahrer wurden zusätzlich mit Helmkameras ausgestattet.

Trotz der vielen Action, den atemberaubenden Stunts und den waghalsigen Sprüngen: Die vielleicht nachhaltigste Szene zeigt Berrecloth nicht bei seinen vielen gelungenen Einlagen, sondern beim Scheitern. Die Kameras nahmen ebenfalls auf, wie der vermeintliche Haudegen Nerven zeigt und an seinem Vorhaben, einen Frontflip hinzulegen, mehrmals scheitert und daran fast verzweifelt. Auch Helden sind eben nur Menschen.


Die DVD

«Where The Trail Ends», USA 2012

Regie: Jeremy Grant
Beteiligte Fahrer: Darren Berrecloth, Cameron Zink, Kurt Sorge, Andreu Laconeguy, James Doerfling, Paul Bourdon, Tyler McCaul, Kyle Strait, Cameron McCaul, Mike Kinrade, Garret Buchler
Schnitt: Jeremy Grant, Andrew Boucher
Filmmusik: Edward Rogers
Produktion: Freeride Entertainment / RedBull Media House

 

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