Auf der Suche nach der reinen Form

Die Kunstkabine auf dem Areal der offenen Rennbahn Oerlikon zeigt in dieser Saison Studien einer geplanten, aber nie realisierten Plastik des Bildhauers und Plastikers Karl Geiser.

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Marc Locatelli
Kultur, 14.07.2014

Der Berner Bildhauer und Plastiker Karl Geiser (1898–1957), bekannt als Schöpfer des «Denkmals der Arbeit» auf dem Zürcher Helvetiaplatz und des Walche-Löwen, beschäftigte sich ab 1930 intensiv mit dem Thema Velorennfahrer. Sein Schaffen war geprägt von der Suche nach der reinen Form. Begeistert besuchte er Velorennen, foto­grafierte und skizzierte die Rennfahrer und modellierte sie in seinem Atelier. Er war auch immer wieder faszinierter Zuschauer auf der offenen Rennbahn Oerlikon. Bei den Wettkämpfen im Bahnoval fand er seine Modelle.
Geiser beabsichtigte, einen Velofahrer als öffentliche Plastik zu realisieren. Die Pläne standen unter einem schlechten Stern. Geisers bevorzugtes Modell, der junge Rennfahrer André Hardegger, stürzte bei einem Steherrennen zu Tode. «André war ein Ausnahmetalent, ein schneller und intelligenter Fahrer», sagt sein Freund und Lehrmeister Ferdy Kübler, und ergänzt, dass er viel zu hübsch gewesen sei für den Radsport. Nach Hardeggers Tod verhinderte auch die Stadt Zürich, dass Geiser seine Pläne umsetzen konnte. 1948 konnte sich das Hochbauamt für keinen passenden Standort entscheiden. Karl Geiser arbeitete aber unverdrossen weiter. Die Gross­plastik kam indes nie zur Ausführung.
Die Ausstellung in der Kunstkabine auf dem Areal der offenen Rennbahn Oerlikon zeigt mit Fotos und eindrücklichen Skizzen, wie intensiv und präzis sich der Bildhauer dem Thema näherte. Sein umfassendes Fotoarchiv verstand er als Arbeitsmaterial. Heute werden seine Bilder als eigenständiges künstlerisches Werk verstanden. Folgerichtig kümmert sich die Fotostiftung Schweiz um seinen fotografischen Nachlass.
In den vergangenen zehn Jahren zeigten acht verschiedene Zeichner, Fotografen und Illustratoren ihre Werke zum Thema Radrennsport in der Kunstkabine. Ein bisheriger Höhepunkt waren die legendären Velofahrerzeichnungen des französischen Zeichners Sempé.

Öffnungszeiten
6. Mai bis 23. September 2014,
dienstags bei trockenem Wetter ab 18.45 Uhr.
Infos zu Rennen und Öffnung bei zweifelhafter Witterung:
www.rennbahn-oerlikon.ch
Tel. 044 311 25 61 ab 16.00 Uhr

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