Souvenirs sind etwas Lustiges, zumal, wenn sie an die eigenen Heldentaten erinnern. Warum aber findet man auf Schweizer Alpenpässen kaum Mitbringsel für Velomenschen? Bald wird die Wintersperre über die Alpenpässe aufgehoben, und ich freue mich sehr darauf, weil ich dann auf der Passhöhe immer wieder meine alte Nummer aufführen kann, und die läuft so ab: Ich gehe in den Laden, wo sie Postkarten, Stofftierchen, Schneehalbkugeln und Baseball-Mützen mit dem gross geschriebenen Namen des stolzen Passes verkaufen.
Solch bizarrer Ladengang hat den einfachen Grund, dass ich Andenken suche, die einen Bezug zu uns Pass-Heldinnen und -Helden enthalten. Ich habe schon eine ganze Sammlung: ein paar acht Zentimeter hohe Kilometersteine französischer Bergstrassen, Pass-Kleber am Velo und am Helm, ein Dutzend Trikots mit den Namen der tollsten Übergänge. Auf all diesen Mitbringseln ist das Velofahren grafisch deutlich dargestellt.
In der Schweiz suche ich stets nach Postkarten und Klebern, welche die Passstrasse mit einem Velo-Sujet inszenieren. Vergeblich. Viele Motorradfahrer und Autos fahren ins Bild, doch nirgends ist ein Velofahrer. Welch ein Gegensatz ist das zu den Pass-Läden der Nachbarländer, die ein reiches Souvenir-Angebot für Radherrschaften in vielen Varianten bereithalten.
Statt dass ich nun meinen Laden auf der Passhöhe enttäuscht und ohne etwas zu kaufen verlasse, kann ich es nicht lassen, meine Nummer weiterzuspielen, und zwar so: Ich wende mich höflich an die Verkäuferin und frage sie nach einem Tricot, auf welchem Gotthard, Susten oder Bernina geschrieben steht. Hurtig greift sie unter den Tresen und streckt mir schon ein knallrotes Leibchen, auf Deutsch ein «Tiischört», in der passenden Grösse entgegen. Ich erkläre ihr, dass ich nicht ein «Tiischört», sondern ein Tricot mit drei Taschen hinten am Kreuz möchte, drehe mich und zeige ihr, wie ich es meine. «Ach, ach», bedauert sie, so etwas hätten sie leider nicht im Angebot. «Oh, oh, ist das schade», klage ich und frage dann, warum sie das denn nicht führten. Ganz einfach, erwidert sie, weil in all den Jahren, die sie hier arbeite, noch nie ein Velofahrer nach so Öppisem gefragt habe.
Ich glaube der Verkäuferin aufs Wort, denn schon mehrmals habe ich folgende Szene erlebt: Ich erreiche mit fünf, sechs Schweizern eine Passhöhe in Frankreich, in Italien oder Österreich. Sie widmen sich dem Bier, ich gehe in den Laden, suche und finde das Objekt meiner Lust, ein Pass-Tricot, das ich sogleich kaufe und überziehe, um dann neu gewandet zu den Freunden beim Bier zu schreiten. Freudig rufe ich ihnen zu: «Hei, schaut, was ich Schönes gefunden habe!» Sie aber verdrehen nur die Augen und finden, ich sei ein Kindskopf. Lieber machen sie mit ihren Tricots Reklame für Kaffeemaschinen, Automarken oder ein Reisebüro, und sie zahlen noch dafür, dass sie Sklavendienste leisten.
Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer über dem Klausenpass: Dort kann man jetzt ein schönes, rotes Klausenpass-Tricot kaufen.
Dres Balmer
18.05.2016







