Vor einem Jahr konnte velojournal die Dreharbeiten zu «Dead Fucking Last» besuchen und berichtete darüber (siehe vj 6/2011). Ende Oktober ging an den Hofer Filmtagen in Deutschland die Weltpremiere über die Bühne.
In der Komödie betreiben drei Freunde seit zwanzig Jahren in Zürich das Velokuriergeschäft «Die Genossenschaft». Der Name ist Programm. Das selbstverwaltete Unternehmen hängt noch immer dem Geist der Achtzigerjahre nach, und so fallen ab und an auch klassenkämpferische Parolen. Die drei Helden Tom (Michael Neuenschwander), Andi (Mike Müller) und Ritzel (Markus Merz) sind wahre Stehaufmänchen. Bereits in der Eröffnungsszene kommen die drei unter die Räder. Bei einem illegalen Velokurierrennen werden die Genossenschafter gleich zweifach ausgezeichnet: einmal für ihr zwanzigjähriges Bestehen, und zum Zweiten erhalten sie den «Dead Fucking Last»-Trostpreis für ihren letzten Platz an diesem Alleycat.
Die Midlife-Crisis macht sich jetzt bei Tom erst recht bemerkbar. Als dann mit den «Girls Messengers» eine neue Konkurrenz auftaucht, gerät das Kollektiv auch finanziell in Schräglage, denn viele Kunden wechseln zum neuen Girlies-Kurierteam. Sogar ihr ehemaliger Weggefährte «Fat Frank», gespielt von Roeland Wiesnekker, engagiert jetzt die Damen-Konkurrenz. Schlimmer noch: Sie haben ihn als Marketingfachmann abgeworben.
Aber nicht nur Marketing, schicke Klamotten und Plakataktionen setzen den Alteingesessenen zu. Das Girls-Messengers-Team setzt zusätzlich auf Computertechnologie. Damit scheinen auch beste Ortskenntnisse und ein guter Orientierungssinn – das Qualitätsmerkmal der Genossenschafter – nicht mehr gefragt zu sein. Aber nicht lange, denn die Technikabhängigkeit rächt sich. In einer eindrücklichen, rasanten Szene sehen wir die Girls-Fahrerin Jenny durch die Stadt flitzen. Da die Computer ausgefallen sind, wird sie durch eine Verkettung von Zufällen vom Konkurrenten Tom per Funk ans Ziel geführt.
Dass ausgerechnet Annette Michel, die früher in Zürich als gestandene Velokurierfahrerin ihr Auskommen fand, die nicht ortskundige Jenny verkörpert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Doch das wird die frischgebackene Velo-Stuntfrau mit einem Lächeln weggesteckt haben. Was auch nicht fehlen darf, ist eine amouröse Verquickung. Tom und die Chefin der Konkurrenz, Nina (Oriana Schrage), finden sich – nicht gerade zur Freude der Genossenschaftskumpels.
Geringe Produktionskosten, viel Einsatz
«Jeder Film ist ein Wunder», sagt Drehbuchautor Uwe Lützen. Es gibt tausende Drehbücher, die vergebens auf eine Verfilmung warten. Und Geld, speziell Fördergelder, ist rar. «Dead Fucking Last – Wer bremst, verliert!» wurde mit einem Budget von nur gerade 1,6 Millionen Franken realisiert. Produzent Kaspar Winkler: «Wir haben die Not zur Tugend gemacht, unser Credo hiess ‹Method Producing›. Gedreht wurde in bestehenden Motiven ohne langen Auf- und Abbau, ausser in der ‹Zentrale›, in einer ehemaligen Fabrik in Zürich Manegg.» Auch beim Equipment ging man kostenbewusst vor. So sei zum Beispiel eine neue, äusserst lichtempfindliche Handkamera verwendet worden.
Trotz schwierigen Produktionsbedingungen und knappem Budget: «Dead Fucking Last – Wer bremst, verliert!» ist ein urchiger, unkonventioneller Mundartfilm geworden. Ein Spass für Bewegte, Ex-Bewegte, Angepasste, Unangepasste – und vor allem für Velofans.
«Dead Fucking Last – Wer bremst, verliert!», Schweiz 2012
Regie: Walter Feistle
Schauspieler: Tom (Michael Neuenschwander), Andi (Mike Müller), Ritzel (Markus Merz), Nina (Oriana Schrage), Fat Frank (Roeland Wiesnekker), Monika (Regula Imboden).
Produzenten: Kaspar Winkler, Sabine Girsberger
Drehbuch: Uwe Lützen
Kamera: Felix von Muralt
Licht: Ernst Brunner
Schnitt: Thomas Knöpfel
Musik: Ramon Orza
Szenenbild: Amara Heim
Kostüme: Linda Harper







