Alternative zum Chaos

Im schwedischen Dokumentarfilm «Bikes vs Cars» geht es um Städteplanung, Veloaktivisten und darum, wie sich die Welt vor dem Verkehrskollaps bewahren lässt.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 19.07.2016

Im Grunde wissen es wohl alle: Rasches Handeln ist nötig, damit der Klimawandel nicht völlig ausser Kontrolle gerät. Doch die Zahl der Autos wächst unaufhaltsam. Bis zum Jahr 2020 werden wohl zwei Milliarden die Strassen verstopfen. Seit über fünfzig Jahren wird versucht, diese Verkehrsproblematik zu lösen. Geschafft hat es freilich noch niemand. Ein weltweites Umdenken und eine Umstrukturierung des Strassenverkehrs wären nötig. Das Velo als Alternative zum Auto wird dabei immer wichtiger. Doch das Zweirad hat einen schweren Stand: Die Autoindustrie investiert jährlich Millionen US-Dollar in Lobbyarbeit und Werbung, um ihr Geschäft zu schützen.

Auch Autofahrer sind Opfer
Der schwedische Journalist und Filmemacher Fredrik Gertten erzählt in seinem Film «Bikes vs Cars» vom Kampf der Veloaktivistinnen und -aktivisten, die ein Stück der Strassen und Parkplätze als Velowege zurückerobern wollen. Er vergleicht velofreundliche Grossstädte wie Kopenhagen mit Orten, in denen die Zweiradfahrenden Tag für Tag um ihre Existenz kämpfen. Im Film kommen die Veloaktivistin und Bloggerin Aline Cavalcante aus São Paulo und der Velofahrer und Autor Dan Koeppel aus Los Angeles vor. Als Antagonisten lernen wir unter anderem den Taxifahrer Ivan Naur­holm aus Kopenhagen und den Bürgermeister von Toronto, Rob Ford, kennen. Letzterer liess die Velostreifen auf der Jarvis Street entfernen. Das kostete 300?000 Dollar.
Für den Filmemacher repräsentiert eine humane Stadtplanung eine blühende Stadt mit vielen kleinen Geschäften. Das Auto steht dagegen für Shoppingcenter und Autobahnen. Trotzdem will der Film keinen Konflikt zwischen Velofahrenden und Automobilisten heraufbeschwören. Der Regisseur stellt fest, dass die Autolobby über viele Jahrzehnte hinweg die Menschen autoabhängig gemacht habe. Die Autofahrenden seien also ebenfalls Opfer. Sie bezahlen mit verlorener Zeit in Staus und schliesslich dem Verkehrskollaps.
Finanzieren konnte Fredrik Gertten «Bikes vs Cars» dank der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Im November 2013 kamen von über 2000 Personen aus 15 Ländern mehr als 80000 Dollar zusammen.
Einem breiten Publikum bekannt wurde Gertten mit dem Dokumentarfilm «Bana­nas» aus dem Jahre 2009. Damals befasste er sich mit der Dole Food Company und den Arbeitern in Nicaragua, die mit dem Pestizid DBCP arbeiten mussten. Das Pestizid hatte verheerende Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Plantagenarbeiter. Inzwischen wurde es verboten. Den aktuellen Film «Bikes vs Cars» sollten sich nicht zuletzt unsere StädteplanerInnen anschauen. Vielleicht öffnet er manchen Entscheidungsträger­Innen die Augen.


DVD/Download/Streaming

«Fahrrad gegen Auto – eine Strassenschlacht»

Originaltitel: «Bikes vs Cars», Schweden 2015
Drehbuch und Regie: Fredrik Gertten
Mitwirkende: Dan Koeppel, Aline Cavalcante, Ivan Naurholm, Raquel Rolnik, Nicolas Habib, Don Ward, Gil Peñalosa, Rob Ford, Joel Ewanick, Joshua Dysart, Denzil Minnan-Wong, Christina Deckwirth
Download oder Ausleihe möglich über:  https://vimeo.com/ondemand/bikesvscars

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