Was habe ich beim Velofahren nicht schon alles auf der Strasse herumliegen sehen, manchmal aufgehoben und eingesteckt! Zum Beispiel mehrere Inbus- und englische Schlüssel, dann auch so schwarze Kopfüberzüge, die sich Velofahrer im Winter über den Schädel ziehen, bevor sie den Helm aufsetzen, damit ihre Hirnmasse nicht auskühlt. Ein anderes Mal fand ich ein tolles, wohl sehr teures Paar Handschuhe der obersten Qualitätsstufe, das vermutlich ein Motorradfahrer verloren hatte. Ich benutze es seither auf Skitouren.
Immer wieder sehe ich auf dem Pflaster undefinierbare flachgefahrene Objekte liegen und denke: Oh, das ist sicher die Brieftasche mit tausendfünfhundert Franken drin, die einem Porsche-Fahrer aus dem Autofenster geflattert ist! Meistens ist es dann aber bloss plattgewalzte Unterwäsche. Neulich, als ich um den Zürichsee fuhr, fand ich auf der Strasse den Führerausweis von Herbert Schreiner aus Uster. Ich nahm ihn mit nach Hause, schaute ihn genauer an und schickte ihn dann mit der Post an die Adresse seines Inhabers.
An einem schönen Julisonntag fuhr ich von der Tessiner Seite auf den Nufenenpass. Von Weitem schon sah ich etwas Metallenes auf der Strasse glitzern. Als ich näher kam, stellte ich fest, dass es das Nummernschild eines Töffs aus dem Kanton Bern war. Hinten drauf war ein Klebeband, auf welchem «P. Emmenegger, Frauenkappelen» geschrieben stand. Ich hob das Schild auf, steckte es unter das Tricot und fuhr weiter.
«Der Nufenen ist an sich schon ein fürchterlich mühsamer Pass, und die Hunderte von Töffs, die an mir vorbeiknatterten, machten mir das Leben an jenem Tag noch schwerer.»
Der Nufenen ist an sich schon ein fürchterlich mühsamer Pass, und die Hunderte von Töffs, die an mir vorbeiknatterten, machten mir das Leben an jenem Tag noch schwerer. Da begann ich nachzudenken, denn auf so einem endlosen Aufstieg hat man ja Zeit dazu. Und ich sagte mir: Also Elsi, auf der Strasse liegt so ein Töff-Nummernschild. Nicht ganz am Rand, sondern mitten auf der rechten Fahrbahnhälfte. Jeder, der Augen im Kopf hat, sieht es. Warum, bitte schön, fällt es keinem der Hunderten von vorüberknatternden Töfffahrern ein, das Blech ihres Kameraden Pesche Emmenegger aus Frauenkappelen aufzusammeln und ihm zuzuschicken?
Bei dem Gedanken wurde ich wütend auf die Töfffahrer und war nahe daran, das Schild noch im Fahren aus meinem Wams hervorzuholen und in hohem Bogen in den nächsten Graben zu schmeissen. Dann besann ich mich eines anderen. Beim nächsten geeigneten Mauerabsatz, rechts an der Strasse, stellte ich es mithilfe von ein paar Steinchen auf Augenhöhe so auf, dass es jedem Vorüberfahrenden wie eine Reklame ins Auge stechen musste.
Ich weiss nicht, was aus dem Töff-Nummernschild geworden ist, doch da kommt mir wieder der Herr Schreiner aus Uster in den Sinn. Der hat sich bei mir noch immer nicht gemeldet, um mir Dankeschön zu sagen. In Zukunft lege ich solchen Sendungen einen Einzahlungsschein bei.
PS: Soeben finde ich in der Post einen Brief von Herrn Schreiner aus Uster. Er bedankt sich und schickt mir zwanzig Franken Finderlohn. Das ist nett. Ich nehme alles zurück. Die Menschheit ist gut.







