Velofahren macht Spass – vor allem auf Strassen ohne Autos. Das sehen auch viele Autofahrende so: «Fahrt doch Velo, so viel ihr wollt, aber nicht auf unserer Strasse», lautet ein beliebter Spruch. Dumm nur, dass Velostrassen Mangelware sind, denn gebaut werden Strassen normalerweise für Autos. Für mehr reicht es nicht: Es fehlt der Platz. Oder das Geld. Oder beides. Das ist nicht nur schlecht: Für Velowege die letzten Reste «natürlichen» Bodens auch noch zuzubetonieren, kann kaum die Lösung sein. Einfach alles so zu lassen, wie es ist, allerdings auch nicht.
In den Zwanzigerjahren berieten die Herren National- und Ständeräte ein Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr. Es wurde zwar 1927 abgelehnt – aber das Fahrrad war darin noch namentlich erwähnt. Heutzutage heisst das Regelwerk Strassenverkehrsgesetz. Die Regeln sind dem Normalfall Auto angepasst, und wer nicht mit 50 km/h über die Kreuzung fährt, ist selber schuld, wenn die Orangephase nicht reicht. Tempo 30 für alle und überall wäre deshalb sicher keine schlechte Idee: Autos und Velos kämen ungefähr gleich schnell voran, wodurch sie sich gegenseitig weniger behinderten.
«Bleibt noch die ‛gegenseitige Rücksichtnahme‛. Auch so ein Konzept, das alle gern unterschreiben – solange sie es so interpretieren dürfen, dass ihnen das doofe Velo gefälligst aus dem Weg soll.»
Das Problem ist nur: Es macht keinen Sinn, mit Maschinen, die Hunderte Pferdestärken unter der Haube haben und problemlos 200 km/h oder mehr machen, immer nur Tempo 30 zu fahren. Die total übermotorisierten, viel zu schweren, viel zu schnellen Autos unserer Zeit auf ein menschen- und umweltverträglicheres Mass zu reduzieren, ist aber leider weder ein sexy Job, noch ein rentabler.
Bleibt noch die «gegenseitige Rücksichtnahme». Auch so ein Konzept, das alle gern unterschreiben – solange sie es so interpretieren dürfen, dass ihnen das doofe Velo gefälligst aus dem Weg soll. Beziehungsweise, dass der gestörte Autofahrer, tamminomoll!, Abstand zu halten hat. Auf der Stauffacherstrasse in Zürich beispielsweise ist die Strasse bei der Haltestelle des 8er-Trams sehr schmal. Die Autos können mich haarscharf überholen, aber die meisten sehen ein, dass der Platz nicht reicht, und bremsen ab; viele machen aber während der zirka drei Sekunden «schleichen» mit Kupplung und Gas tüchtig Krach und drücken auf die Tube, sobald die Bahn frei ist: Dieses doofe Hindernis, das Velo, lässt sie offensichtlich leiden. Tatsächlich?
Kürzlich fuhr ich durch eine 30er-Zone und landete im Stau. Der Grund: Ein Auto zwängte sich aus der Parklücke, ein anderes stand schon an, um den Parkplatz zu übernehmen. Bald waren es auf jeder Seite drei, vier Autos, die warten mussten, und das länger als drei Sekunden. Doch kein Hupen weit und breit, und die Männer im zuvorderst wartenden Güselwagen halfen der Mercedes-Cabrio-fahrenden Frau sogar mit Handzeichen beim Einparken. Das bisschen Warten allein kann also nicht das Problem sein. Für die «Eigenen» wartet man gern, für die «Fremden» nicht? Es sieht ganz so aus. Etwas mehr Lockerheit und Geduld auf beiden Seiten könnten deshalb nicht schaden. Mindestens, bis das Strassennetz für Velos fertig ist …







