Eine richtig gute Geschichte, wie sie damals auf die Idee gekommen sind, Etuis aus Veloschläuchen herzustellen, muss Beat Bannwart erst noch erfinden. Der CEO der Minifirma Pnööö räumt ein, der Gedanke sei letzten Herbst plötzlich da gewesen. Heute haben die fünf UnternehmerInnen ihr Produkt bereits 450 Mal verkauft, grösstenteils über die firmeneigene Website. Darauf sind so humorvoll-tiefgründige Sätze zu finden wie: «Die drei ööös symbolisieren Ökologisch, Ökonomisch, Örlikon (ursprünglich Oerlikon).» Der Slogan der Firma lautet knapp: «Ganz schön abgfahre».
Pnööö ist eine der 50 Minifirmen, die es in die engere Auswahl des Unternehmenswettbewerbs der Non-Profit-Organisation Young Enterprise Switzerland (YES) geschafft haben. Das allgegenwärtige Thema Recycling ist in den Produkten augenfällig. Kein Wunder, denn im Ergänzungsfach «Wirtschaft und Recht», in dessen Rahmen die Minifirmen gegründet und betrieben werden, wird Wiederverwertung als «Megatrend» behandelt.
Das sind gute Nachrichten für das Velo. Neben USB-Sticks aus Holz und Kork, Stehlampen aus alten CDs und Tragtaschen aus ausrangierten Fallschirmen spielt das Zweirad nämlich die Hauptrolle. Beltimore, ein Schüler-Unternehmen aus Frauenfeld, nutzt die Schläuche für Gürtel und hat immerhin 100 Stück verkauft. An der Kantonsschule Oerlikon repariert die reCycles AG alte Velos und verkauft sie mit einem neuen Anstrich. Acht Aufträge sind seit Herbst eingegangen.
Das Velo in allen Formen
Wie Fabienne Herbstrith, Marketing-Chefin von Pnööö, erklärt, liessen sich die JungunternehmerInnen vom Taschenhersteller Freitag inspirieren. Sie wollten ähnlich trendige Produkte aus Abfallstoffen herstellen – und fanden die leicht erhältlichen, vielseitig einsetzbaren und zumeist kostenlosen Veloschläuche. Stephanie Ruch, die Verantwortliche für Einkauf und Produktion, erzählt, wie sie zu Beginn versucht hätten, Etuis aus Reifen zu fertigen. «Da mussten einige Nähmaschinen dran glauben», lacht sie. Eine Stunde hätten sie schliesslich gebraucht für die Herstellung eines einzigen Etuis.
Die Tücken des Erfolgs
Nach der Gründungsversammlung, als Freunde und Verwandte Aktien über 2250 Franken zeichneten, begannen auch die Bestellungen anzuziehen. Das ursprüngliche Produktionsziel von fünfzig Etuis war rasch überholt. Nach Reportagen auf Radio Energy und im «Tages-Anzeiger» brach eine wahre Flut von Bestellungen über die Jungunternehmer herein. Da kollabierte ihr Produktionsmodell. Pnööö lagerte die Herstellung an eine Behindertenwerkstatt in Bülach aus.
Beltimore hingegen produziert die Gürtel noch immer selbst, wie Sine Selman erklärt. Die Eigenproduktion verschlinge enorm viel Zeit: «Deshalb tendieren wir eher dazu, nicht mehr mit der Unternehmung weiterzumachen.» Die Matura-Vorbereitungen und das Sozialleben kommen zu kurz. Beltimore sucht deshalb nach einem Anbieter, der die Gürtel weiterproduziert.
Die Zukunft ist offen
Auch ohne die Etuis selbst herzustellen, wenden die Pnööö-Leute noch viel Zeit für die Firma auf. Sie koordinieren sich über Facebook und erledigen ihre jeweiligen Aufgaben zu Hause. Verdienen sie denn wenigstens etwas dabei? Finanzchef Andreas Gehri lacht. Eine Lohnzahlung sei vom YES-Programm vorgeschrieben gewesen. «Es waren, glaube ich, Fr. 18.70 pro Person.» Also höchstens ein Taschengeld.
Ob und in welcher Form die Minifirmen die Schulzeit der UnternehmerInnen überleben, ist noch unklar. Ihr Zwitterwesen zwischen Schulprojekt, Wirtschaftssimulation, Hobby und «richtiger» Firma macht Prognosen schwierig. Die Ideen und überzeugende Produkte sind da. Eine längerfristige Existenz scheint in Nischen möglich zu sein. Neben Pnööö versucht auch reCycles AG, die Geschäftsidee durch ein Sozialprojekt weiterführen zu lassen.
Bevor aber für die EnthusiastInnen von Pnööö die Matura und danach ein neuer Lebensabschnitt ansteht, geben sie noch einmal Vollgas: Im Mai lancieren sie die neue iPod-Hülle, und im Juni fahren sie nach Interlaken zum Final des YES-Wettbewerbs. Sie sind siegesgewiss.







