40 Jahre im Zeichen der Speichen

Pro Velo Bern hat Geburtstag. Die Feierlichkeiten laufen während des ganzen Jahres. Ein Blick zurück in die vergangenen vier Jahrzehnte – und einer in die Zukunft.

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Fabian Baumann
21.03.2018

Vor 40 Jahren zählte die Stadt Bern 27'983 Velos. Die Sonne schien während 1427 Stunden, an 71 Tagen war es neblig, und der Pegel der Aare lag im Mittel bei 2,28 Metern. Das alles weiss das Statistische Amt der Stadt im Jahrbuch 1978 zu berichten. Wie viele Fahrräder heute in der Bundesstadt unterwegs sind, darüber kann nur spekuliert werden – mit der Abschaffung der Velovignette ist auch die Registrierung der Zweiräder entfallen. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es einige mehr sind als noch vor 40 Jahren.

Sicher hat neben dem Bevölkerungswachstum auch Pro Velo Bern einen Anteil daran. Denn was das Jahrbuch der Stadt nicht verrät: 1978 war auch die Geburtsstunde des Regionalverbands Bern – nach Basel der zweitälteste im ganzen Pro-Velo-Verbund. Seit nunmehr 40 Jahren setzen sich dessen Mitglieder dafür ein, dass das Zweirad in Stadt und Region Bern mehr Platz erhält. Die Veloförderung konnte einige Erfolge verbuchen. Laut Geschäftsführerin Rebecca Müller gehören die Velostationen und die Abstellplätze rund um den Bahnhof dazu. Pro Velo Bern habe sich lange und hartnäckig dafür starkgemacht, dass Fahrräder an diesem zentralen Verkehrsknoten besser abgestellt werden können. «Es hat zwar noch immer zu wenig Platz», räumt Müller ein. Die vielen Zweiräder können aber auch als Indiz dafür gewertet werden, dass die Bernerinnen und Berner vermehrt in die Pedale treten. Das fängt bereits bei den Jüngsten an. Die Kindervelofahrkurse von Pro Velo verzeichnen Rekordzahlen. Jedes Jahr nehmen rund 500 Kinder und deren Eltern teil, Tendenz steigend. Zudem finden jeweils gegen 2000 Velos an den drei Velobörsen pro Jahr neue Besitzerinnen und Besitzer.

VeloHauptstadt
Das Fahrrad ist heute selbst in der Stadtverwaltung angekommen. Bern will Velohauptstadt der Schweiz werden. Der Gemeinderat hat vor vier Jahren die Velo-Offensive ausgerufen. Passend dazu soll der Veloanteil am Gesamtverkehr von 11 Prozent (Stand: 2010) bis ins Jahr 2030 auf 20 Prozent erhöht werden. Auf die Frage, ob sich Pro Velo nun getrost zur Ruhe setzen kann, antwortet Müller: «Unser spezifischer Blickwinkel ist nach wie vor sehr notwendig.» Noch sei Bern in erster Linie ÖV-Hauptstadt. Entsprechend oft würden Tramprojekte «velounsensibel» geplant: Der Regionalverband müsse stets darauf achten, dass Haltestellen auch für Velos mit Anhänger komfortabel passierbar und Querungswinkel gross genug seien, damit Velofahrende nicht in die Schienen geraten.

Visionen und Gratulationen
Zum Jubiläum verkündet Pro Velo selbstbewusst, dass Bern «ein Paradies für das leiseste und gesündeste Fortbewegungsmittel» werden soll. Auf seiner Website präsentiert der Verband die «Vision für die Velo-Region Bern» in Form eines schön gemachten Videos. Und wie es sich für einen runden Geburtstag gehört, wird 2018 in der Hauptstadt auch gebührend gefeiert. Nicht nur mit einem Fest, sondern mit einer Reihe von Feierlichkeiten, die sich über das ganze Jahr erstrecken: der VeloKulTour. Pro Velo ist auf verschiedene Kulturinstitutionen der Stadt zugegangen. Entstanden ist so ein vielfältiges Programm, immer mit dem Velo im Zentrum. Der Start erfolgte im Januar mit einem Konzert. Berns Stadtpräsident, Alec von Graffenried, liess es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen und Glückwünsche zu überbringen. «Er betonte die Wichtigkeit unserer Arbeit, gratulierte und feierte das Velo mit den Worten: ‹Velofahren ist ein Gefühl wie Fliegen.›» Schöner könne man es nicht auf den Punkt bringen, so Rebecca Müller.

www.provelobern.ch/ueber-uns/unsere-vision-fuer-die-velo-region-bern


VeloKulTour – Alle Veranstaltungen auf einen Blick
Die Pro Velo Bern Mitglieder erhalten rund 40 Prozent Rabatt auf die Eintrittspreise sämtlicher Jubiläumsveranstaltungen. Alle anderen Interessierten sind natürlich ebenfalls willkommen.

Weitere Infos: www.provelobern.ch/40

Illustration: Nora Ryser

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